EIC/Leinefelde: Mit der NPD im Regen auf der Hüpfburg

09.05.2012 – Bereits zum zweiten Mal hat der mehrfach verurteilte Neonazi und NPD-Politiker Thorsten Heise im thüringischen Leinefelde seinen „Eichsfeldtag“ durchgeführt. Die gestiegene Zahl der Besucher spricht dafür, dass es ihm gelungen ist, eine weitere extrem rechte Musikveranstaltung in Thüringen zu etablieren. Bereits letztes Jahr zog die Musikveranstaltung zahlreiche Neonazis in das Eichsfeld.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors, zuerst unter BnR – Blick nach Rechts erschienen.

Nach Polizeiangaben nahmen am zweiten „Eichsfeldtag “ der NPD in Leinefelde etwa 960 Neonazis teil, angemeldet waren bis zu 1.200 Teilnehmer bei der Veranstaltung. Doch bei 8 Grad und Regen wollte keine richtige Stimmung bei den extrem rechten Teilnehmern aufkommen. Während der Rede des Eichfelder NPD-Funktionärs Matthias Fiedler hielt es kaum 20 Menschen auf dem durchweichten Platz vor der Bühne. Dabei dürften die politische Reden für die meisten Anwesenden ohnehin nicht der Grund der Anreise gewesen sein. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Heise über den Umstand lustig gemacht, dass er auch eine Rede halten müsse, um dem Versammlungsgesetz zu genügen.

So dürfte es kaum jemanden gestört haben, dass von den angekündigten Rednern zwei kurzfristig gestrichen worden waren. Ursprünglich waren Udo Voigt, der ehemalige Bundesvorsitzende der NPD und der Gründer des Thule-Seminars, Pierre Krebs, als Gäste am Mikrophon vorgesehen. Beobachter werteten dies als klares Zeichen gegen den neuen Vorsitzenden Holger Apfel. Doch Heise scheint sich nun doch in den Kurs der „seriösen Radikalität“ einzuordnen. Dies könnte auch mit dem bevorstehenden Thüringer Landesparteitag der NPD zusammenhängen, bei dem Heise als stellvertretender Vorsitzender und als Beisitzer des Vorstandes zur Wahl steht.

Verbundenheit mit den „Freien Kräften“

„Das finde ich eisenhart, dass ihr hier seid und ausharrt“, verkündet Thorsten Heise am späten Nachmittag auf dem alten Sportplatz im Süden der Stadt. Im strömenden Regen finden sich auf dem durchweichten Rasen etwa 100 Neonazis ein, um die Rechtsrock-Band „Timebomb“ aus Schleswig- Holstein zu sehen, auch auf der etwa 50 Meter entfernten Hüpfburg für Kinder herrscht meist gähnende Leere. Großen Andrang verzeichnen hingegen die überdachten Stände am Rand des Feldes mit den wenigen trockenen Plätzen. Neben dem rechtsextremen Liedermacher Thorsten Hering alias „Torstein“ und vier weiteren Rechtsrock-Bands wartet der Großteil der Neonazis auf den Auftritt der „Lunikoff Verschwörung“ um den ehemaligen Sänger der verbotenen Band „Landser“, Michael Regener alias „Lunikoff“. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden seinen Auftritt in Leinefelde untersagt, weil Regener gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte.

Doch nicht einmal das eigentliche Highlight der Veranstaltung konnte dieses Mal die Stimmung offensichtlich heben. So schrieb ein Teilnehmer verärgert bereits während der Veranstaltung im Internet: „Ich hatte versucht durch Pogo bei Lunikoff irgendwie bißchen warm zu werden, aber nachdem ich 2 mal im Dreck lag verging mir die Hoffnung und die Motivation!“. Insgesamt zeigte sich allerdings, dass es Heise gelungen ist die Teilnehmerzahl mehr als zu verdoppeln und er an einer weiteren Kontinuität des „Eichsfeldtages“ festhalten wird. Die Anwesenheit von Patrick Wieschke, der demnächst als neuer Thüringer NPD-Vorsitzender kandidieren wird, zeigt wieder einmal, wie eng die NPD mit der neonazistischen Subkultur und den militanten „Freien Kräften“ verbunden ist. Für die Zusammenarbeit mit der NPD hatte zuvor Fiedler den „Freien Kräften Eichsfeld“ ausdrücklich gedankt. Nur wenige Tage zuvor hatte die Neonazi-Gruppierung eine Maikundgebung in Leinefelde gestört.

Temporäre „national befreite Zonen“

Gegen das braune Musikspektakel gab es gleich zwei Demonstrationen: am Mittag setzte sich ein Protestzug mit etwa 150 Anhängern der antifaschistischen Szene in Bewegung, sie mussten mit Beschimpfungen kämpfen, außerdem wurde ihnen der Hitlergruß gezeigt. Wenige Stunden später demonstrierten ähnlich viele Personen im Anschluss an eine Maiandacht, zu der Landrat Werner Henning als Zeichen des „aktiven Ignorierens“ aufgerufen hatte. Eine Gegendemonstration hatte der CDU-Politiker mit der Begründung abgelehnt, sie provoziere Gefahren für die Teilnehmer, die mit dem Rechtsstaat in Konflikt kommen könnten, und motiviere „auch andere Extreme“.

Das von Landrat Henning mit dem Heimatbegriff begründete Verbot des braunen Events war vor den Gerichten gescheitert. Dafür entstanden rund um das Veranstaltungsgelände in Leinefelde temporäre „national befreite Zonen“ als Teil des von der NPD geführten „Kampfes um die Straße“. Für die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) forderte Katja Fiebiger, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft müssten „gemeinsam alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um solche demokratie- und menschenfeindlichen Umtriebe zu verhindern“. Die nächste Möglichkeit dafür wird sich spätestens im kommenden Jahr bieten: schon seit dem Tag nach dem „Eichsfeldtag“ diskutiert die Neonazi-Szene über die Fortsetzung des rechtsextremen Events.

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