Tage Deutscher Gemeinschaft im Oktober 2010

Seit dem späten Nachmittag ist es wieder einmal soweit, AltNazis aus dem gesamten Bundesgebiet treffen nach und nach im »Hotel Hufhaus« ein. Der wegen Volksverhetzung verurteilte Holocaustleugner und ehemalige NPD-Bundesvorsitzende Günter Deckert lädt über das Wochenende erneut zu dem Treffen »Tage Deutscher Gemeinschaft« in den Südharz ein.

Alles bleibt, wie es ist

Das letzte Treffen liegt gute 4 Monate zurück. Die Informationsseite NPD-BLOG.INFO, der Zeit-Blog »Störungsmelder«, das Bündnis gegen Rechtsextremismus Nordhausen, das Informationsblatt Blick nach Rechts und das Aufklärungs- und RechercheTeam Nordthüringen (ART-NordTh) berichteten im Juni über das Treffen. Der Rechte Rand, Ausgabe #125, veröffentlichte einen Artikel unter dem Titel »Rechtes Tagungshotel – Neonazi-Treffpunkt im Südharz«. Im Zusammenhang mit dem wenig später im Juni stattfindenden Treffen der »Artgemeinschaft« wurde nochmalig durch einen Artikel von Andrea Röpke und Maik Baumgärtner auf das »Hotel Hufhaus« und die dort stattfindenden extrem rechten Treffen hingewiesen.

Eine Reaktion seitens der Behörden blieb bis heute aus und die Gemeinde Ilfeld, der Landkreis Nordhausen oder die zuständige Polizeidirektion/-inspektion tun so, als ob sie das Alles nichts angehen würde. Das BgR Nordhausen, welches sich im Juni noch zu dem Thema äusserte und wenigsten ein wenig zivilgesellschaftliches Engagement und Interesse zeigte, scheint entweder von dem Treffen nichts zu wissen oder keinen spürbaren Protest organisieren zu können?!

Wer da?

Günter Deckert wird am Freitagabend die Gäste begrüßen, im Anschluss soll, laut Programm, Benno Müller über das Thema »Die Frankfurter Schule und ihre Folgen für das heutige Kleinst-Deutschland« referieren.

Der Begriff »Kleinst-Deutschland« wird in extrem rechten Kreisen gebraucht, um damit auszudrücken, dass noch die Ostgebiete des Deutschen Reiches für ein »Groß-Deutschland« fehlen. – Als »Ostgebiete des Deutschen Reiches« werden die Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie bezeichnet, die am 31. Dezember 1937 zum Gebiet des Deutschen Reiches gehört hatten, 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs von Deutschland faktisch abgetrennt wurden und heute zu Polen und Russland gehören. – Sprich, allein in diesen beiden Worten findet sich schon ein positiver Bezug zum Nationalsozialismus.

Und wenn es, wie im Titel, um die Folgen der »Frankfurter Schule« geht, dann geht es bei der extremen und neuen Rechten um den Vorwurf des Verlust der »nationalen Identität« durch das Wirken der »Frankfurter Schule«. Dabei spielt natürlich der Antisemitismus eine entscheidende Rolle und somit geht der extrem rechte Geist wieder gen jüdischer Weltverschwörung, wenn es heißt »[…] Da die erste Generation der »Frankfurter Schule« allesamt jüdischer Herkunft war, wurde sie durch den erstarkten Nationalsozialismus und dessen antijudaistische Komponente zum Rückzug gezwungen. […] Schon bald nach dem Ende des 2. Weltkriegs kehrte das Institut zurück nach Deutschland und besetzte Schlüsselpositionen in der Öffentlichkeit, um somit Lenker der öffentlichen Meinung zu sein. […] Sie können diese in die gewünschte Richtung steuern, um ihre Interessen durchzusetzen. Dass diese Interessen nicht im Sinne des deutschen Volkes sind, dürfte an dieser Stelle selbstverständlich sein. Die »Kritischen Theorie«, dieser verneinende, lebensfeindliche Ideologie-Typus, muss durch eine ganzheitlich organische Auffassung des Lebens abgelöst werden. […] denn immer noch wird Tag für Tag unser Volk durch das liberal-kapitalistische System – in dem paradoxerweise das neomarxistische Menschenbild der Frankfurter Schule »Mainstream«, ist – bewusst in Richtung Abgrund geführt. […]«.

Das Programm am Samstag wird dann durch den Heilbronner Diplom-Kaufmann und Steuerberater Michael Dangel eröffnet, welcher, passend zu seinem Beruf, das Thema »Banken- , Finanz- und Wirtschaftskrise« näher erörtern wird.

Dangel ist ein, in der extrem rechten Szene Baden-Würtembergs, sehr umtriebiges Mitglied und zugleich ein wichtiges Bindeglied in die Kameradschaftsszene und in Kreise von Freien Nationalisten hinein.

Darüber hinaus ist er ein langjähriges Mitglied bei der »Burschenschaft Arminia Zürich zu Heidelberg«. Die Burschenschaft macht keinerlei Hehl aus ihrer Nähe zu extrem rechten Kreisen und deren Gedankengut. So fanden z.B. im Jahr 2006 Veranstaltungen mit dem Berliner NPD-Rechtsanwalt Wolfram Nahrath, seinerzeit aktiv in der 1994 verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend, und dem Rechtsaußen-Publizisten und -Intellektuellen Jürgen Schwab statt. Der frühere NPD-Chefideologe trat übrigens bereits 2003 auf einer Veranstaltung bei der »Arminia Zürich« in Erscheinung. Zeitweilig nannte sie sich »Europaburschenschaft Arminia Zürich zu Heidelberg«. Unter dieser Gastgeberschaft fanden 2001 Wolfgang Juchem, war aktiv bei Aktion Freies Deutschland, der Schweizer Revisionist Gerd Zikeli und der ehemalige NPD-Chef und notorische Holocaust-Leugner Günter Deckert den Weg zu der Studentenverbindung.
Neben der Mitgliedschaft in der »Burschenschaft Arminia Zürich zu Heidelberg« ist Dangel z.B noch im »Nationalen Bündnis Heilbronn« aktiv, welches sich 2005 nach dem erfolgreichen Vorbild in Dresden gegründet hat. Die auf kommunaler Ebene aktive »Gruppe werde unterstützt von der NPD. ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), der Deutschen Partei, ehemaligen REP-Mitgliedern und einzelnen Neonazis. Wenn dieses Bündnis Erfolg hätte, könnte dies auch ein Signal für eine Bündelung rechtsextremistischer Aktivitäten auf Landesebene sein«, ließ das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz 2005 durch den stellvertretenden Verfassungsschutzpräsident Hans-Jürgen Doll in einem dpa-Gespräch wissen.

Nach Michael Dangel wird der langjährige NPD-Aktivist Martin Laus referieren. Laus war u.a. NPD-Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz und bis Mai 2008 NPD-Kreisvorsitzender in Mettmann/Düsseldorf.

Laus konzentriert sich auf die ideologische Arbeit in der »Deutschen Akademie«(DA). Die DA gründete sich 2000 als »intellektuelle« Vorfeldorganisation der NPD. Als ihr Ziel nennt sie die »Heranbildung einer geistigen Gegenelite zum pseudodemokratischen Vasallensystem auf deutschem Boden«. Obwohl sie sich von der NPD mittlerweile entfernt hat, gibt es immer noch Anhänger und Parteimitglieder in der DA. Demzufolge zählt Laus, neben Jürgen Schwab, mit zu den NPD-Ideologen.

ein würdiger Abschluß

Der Samstagabend wird wie immer als »Abend der Gemeinschaft im Saal und am Feuer« begangen. Wo sonst durch Teilnehmer die Gitarre gespielt und das Liederbuch gesungen wird, soll diesmal der Liedermacher Frank Rennicke spielen.

Frank Rennicke war Jugendführer bei der rechtsextremen Organisation Wiking-Jugend, bis diese 1994 verboten wurde. Nach dem Verbot dieser Organisation wurde Rennicke Mitglied bei der NPD. Er ist eine der Schlüsselfiguren der extrem rechten Szene und hat Zugang zu den unterschiedlichsten Ausformungen der extrem rechten Szene. Er wird sowohl von AltNazis und NeoNazis beiderlei Geschlechts wie auch von extrem rechten Urgestein anerkannt. Nach eigenen Angaben absolvierte er in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als eintausend Auftritte im deutschsprachigen Raum sowie in Moskau, London und Paris. In den Jahren 2009 und 2010 wurde er jeweils von der NPD als Kandidat zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten vorgeschlagen.

Weiterhin werden Günter Deckert und sein Ziehsohn Sebastian Wollenschläger die Vortragsliste, bis zur Abreise am Sonntag, vervollständigen. Zu den beiden wurde in den Artikeln zu »Tage Deutscher Gemeinschaft« im Juni bereits schon etliches geschrieben und deshalb wird hier nicht weiter auf sie eingegangen.

Anhand der aufgeführten Referenten und den dazu gehörigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern wird sich wieder einmal bestätigen, dass das »Hotel Hufhaus« ein geeigneter Ort im Norden Thüringens ist, an dem sich Revanchisten, Rassisten, Holocaustleugner und Antisemiten in Ruhe treffen können.

ART-NordTh, 08. Oktober 2010
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