Deutsche Helden

Blick nach Rechts:
Anlässlich des Volkstrauertages, der in Neonazi-Kreisen als „Heldengedenktag“ verehrt wird, fanden an zahlreichen Orten braune Aufmärsche und Kundgebungen statt.

Der Volkstrauertag, zur NS-Zeit „Heldengedenktag“ genannt, ist für die extreme Rechte ein besonderes Datum. Der Gedenktag wird missbraucht, um das NS-Regime im revisionistischen Sinne von der Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg zu entlasten und die Wehrmacht zu glorifizieren. Gedacht wird an diesem Tag, so die Waffen-SS-treue Zeitschrift „Der Freiwillige“, „unserer gefallenen Soldaten und der durch die völkerrechtswidrige Vertreibung vor und nach 1945 und der durch alliierten Bombenterror ums Leben gekommenen Zivilisten in der Heimat.“

Auf dem rechtsextremen Internetportal Altermedia war anlässlich des Volkstrauertages zu lesen, dass jede Rede eines „BRD-Offiziellen, jedes Ritual, das in dieser Nestbeschmutzer-‚Republik’ an einem solchen Tag stattfindet“, eine „unsägliche Schändung und Verunglimpfung des Andenkens an jene Deutschen“ sei, „die sich einst für Ihr Volk aufopferten. Pfui Deibel!“. Ein Neonazi mit dem Namen „Juden-Jäger“ kommentierte auf dem Portal angebliche „Angriffe auf Kriegerdenkmäler“ durch Autonome mit den Worten: „Jetzt denke ich darüber nach mich zu bewaffnen. … Heute sollte jeder darüber nachdenken, ob er nicht ein paar Arschlöcher mit ins Jenseits nimmt, wenn seine Zeit gekommen ist!“

„Deutschland muss leben“

In Berlin versammelten sich bereits am 12. November 40 „Widerstandskämpfer“, die angetreten waren, „trotz staatlicher Repressalien, ihren gefallenen deutschen Helden zu gedenken.“ Vorgetragen wurde vor Ort das Gedicht „Soldatenabschied“ von Heinrich Lersch, das der 1914 schrieb. Die bekannteste Zeile dieses Gedichts lautet: „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!“

150 Teilnehmer fanden sich zur „Heldengedenk“-Demonstration am 13. November in München ein. Auf der Kundgebung, die vom NPD-Kreisverband München unterstützt wurde, verkündete der NPD-Bundesvize Karl Richter, dass das „ehrende Angedenken an die deutschen Soldatengenerationen der beiden Weltkriege eine Selbstverständlichkeit sei.“ Die Leitung des Marsches hatten der bayerische NPD-Kader Roland Wuttke und Christian Worch (Parchim/Mecklenburg-Vorpommern) übernommen. Redner neben Richter waren unter anderem der Kölner Neonazi Axel Reitz und der Österreicher Robert Faller.

Erinnerung an die NS-Ikone Hajo Herrmann

In Mecklenburg-Vorpommern waren Angaben des NPD-nahen Internetportals „mupinfo“ zufolge„landesweit hunderte Nationalisten unterwegs“: „Begleitet von den dumpfen Klängen der Landsknechttrommeln“ und „feierlich umrahmt von Fahnen“ wurden laut „mupinfo“ Kränze an Ehrenmälern und Gedenksteinen in Strasburg, Rehna, Friedland, Teterow und im Raum Bad Doberan abgelegt.

130 Neonazis marschierten am 14. November bei der vom NPD-Kreisverband Gotha organisierten „Heldengedenkveranstaltung“ in Friedrichroda in Thüringen auf. Reden hielten der „regionale Aktivist“ Michael Burkert und der NPD-Kreisvorsitzende Gotha, Sebastian Reiche. Reiche erinnerte in seiner Rede an die jüngst verstorbene NS-Ikone Hajo Herrmann. In thüringischen Eisenach versammelten sich etwa 30 Kameraden vom „Nationalen Widerstand Eisenach“. Redner war unter anderem der NPD-Funktionär Patrick Wieschke. Vorgetragen wurde ein Lied des Burschenschafters Walter Flex.

Kranzniederlegung am Ehrenmal

In Wurzen gedachten am 14. November über 150 rechtsextreme Teilnehmer/innen bei einem Schweigemarsch der „wahren Helden“. Dem Trauermarsch des sächsischen Landesverbandes der Jungen Nationaldemokraten waren auch mehrere Stadt- und Kreisräte der NPD gefolgt.

40 Aktivisten der „nationalen Opposition“ trafen sich am 14. November am Wattenscheider Ehrenmal. Als Redner traten der nordrhein-westfälische NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer und der Dortmunder NPD-Politiker Axel Thieme auf. Die Rechtsextremisten legten einen Kranz mit der Aufschrift „Einst kommt der Tag, da alle Welt Euren Ruhm verkünden wird“ nieder. Weitere Neonazi-Aufmärsche in Nordrhein-Westfalen wurden in Münster, Dortmund und Ahlen registriert.

Lediglich ein rundes Dutzend Neonazis verlor sich am 14. November in Halbe, der größten Kriegsgräberstätte der Bundesrepublik Deutschland. Mehr als 23.000 Kriegstote haben dort ihre letzte Ruhestätte. Über Jahre galt das rechtsextreme „Heldengedenken“ am Vorabend des Volkstrauertags als Event der Neonazi-Szene. Behördliche Auflagen erschwerten die braunen November-Aufmärsche in Halbe zunehmend. Eine rechtsextreme Versammlung fand zuletzt 2007 statt, in diesem Jahr war das rechtsextreme Gedenken abgesagt worden. Etwa 1500 Menschen feierten in Halbe unter dem Motto „Vielfalt tut gut“ ein Bürgerfest für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. – Anton Maegerle

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