»NDH-City« – Feierlaune erstickt in Gewalt

Thüringer Allgemeine:
Nordhausens Partyleben verliert seine Unbeschwertheit. Ein schwarzer Mob zieht durch die Stadt. Immer wieder wird Feierlaune in Gewalt erstickt. Die Hooligan-Szene ist längst ein Problem, das gar nicht in das Bild der sonst so friedlichen Rolandstadt passt.

Nordhausen. Der Herbst liegt über der Stadt. Nicht nur das Wetter ist trübe. Düster ist auch die Stimmung vieler junger Nordhäuser. Nachts. Im Schutz der Dunkelheit kommen die Schläger aus ihren Löchern gekrochen. Dort, wo gefeiert wird, mischen sie sich unters Volk um zu pöbeln und zu prügeln. Die Tatorte liegen mitten in der Stadt. Vor dem Kino. In der Promenade. Am Grimmel. An der Wassertreppe. Nicht jedes Opfer erstattet Anzeige. Aus Angst vor dem nächsten Mal. Für die Jugend ist Nordhausen ein Dorf. Man trifft sich immer wieder. Friedlich sind die Besucher der „Destille“ in der Grimmelallee.

Sie wollen nur sorgenfrei feiern und der Musik lauschen. Die Kneipe ist beliebt. Doch auch der schwarze Mob ließ sich in den vergangenen Wochen häufig hier blicken. Nach den ersten Zwischenfällen reagierte Stefan Wehner, der Geschäftsführer der „Destille“. Er erteilte Hausverbote und stellte einen Sicherheitsdienst vor die Tür. Doch Security kostet. Unterm Strich stehen nach vier Wochen schon 3000 Euro. „Das dünnt meinen Gewinn aus“, sagt Stefan Wehner. Aber ihm bleibt nichts anderes übrig. Seine Gäste sollen sich bei ihm sicher fühlen.

Deshalb installierte der „Destille“-Chef auch eine Video-Anlage, um im Ernstfall Beweismaterial zu haben. Dass nicht jeder Besucher erfreut ist, beim Kneipengang gefilmt zu werden, nimmt Wehner in Kauf. Ein wenig ärgert sich Wehner über die Ordnungskräfte der Stadt. Die kontrollieren eisern den Raucher- und Jugendschutz. Auch in diesem Herbst. Aber gegen die dunkle Meute sind sie machtlos. Betroffen ist ebenso der „Schabernack“. Nahe der Musikkneipe in der Grimmelallee erlebten schon mehrfach Besucher auf ihrem Heimweg das blutige Finale eines geselligen Abends. Die Folgen für den Betreiber sind bereits spürbar: Die ersten Gäste bleiben weg.

Stefan Wehner kennt Nordhäuser, die freitagabends nicht mehr durch die Töpferstraße laufen, sondern vom August- Bebel-Platz zum Kino mit dem Auto fahren. Aus Furcht vor brutalen Angriffen, wie sie sich dort schon häufig ereignet haben. „Das kann doch nicht sein“, schüttelt Wehner den Kopf. „Wo soll das enden?“ Am Anfang stand der Fußball. Dort fielen die dunklen Gestalten erstmals auf. Seit zwei Jahren häufen sich ihre Straftaten an. Die Nordhäuser Hooligans randalieren, beleidigen und zetteln Schlägereien an. Mit mehr als 100 Verfahren beschäftigten sich bereits Polizei und Staatsanwaltschaft.

Nur ein Drittel kommt zur Anklage. Die Truppe nennt sich „NDH-City“. 30 Personen bilden den harten Kern. Weitere 20 rechnet die Polizei dem direkten Umfeld zu. Thüringens Verfassungsschützer wissen, etliche Nordhäuser Hooligans sind dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. Der unpolitische Rest sucht den kürzesten Weg, um sich an Randale beteiligen zu können. Bei den Heimspielen im Albert- Kuntz-Sportpark hat der Fußballverein Wacker 90 mithilfe eines Sicherheitsdienstes die Hooligan-Szene weitestgehend im Griff.

Acht Männer haben Stadionverbot. Aber gehen die Kicker auf Reisen, folgt ihnen oft die schwarze Meute. Nicht selten verstärkt durch gewaltbereite Hooligans aus Erfurt und Halle. Die Polizei beobachtet, ermittelt und sammelt Beweise. Die Strafverfolger werden nicht müde zu recherchieren. Die Stadtverwalter sprechen Hausverbote aus wie im März dieses Jahres nach einem Boxabend in der Ballspielhalle. Das Problem ist bekannt. Gelöst werden kann es aber offensichtlich nicht. Nordhausen soll eine Stadt des Friedens sein. Dieser Titel steht aber auf tönernen Füßen.

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