2v2 – Die NPD zwischen kommunaler Verankerung …

…und extrem rechter Jugendkultur – Teil 2v2 – der »10. Thüringentag der nationalen Jugend«

von Madlen Warskow und Lea Stein für ART.NordThüringen

Ein wichtiger Einstiegsbereich und Rekrutierungsraum für die extreme Rechte ist der subkulturell geprägte Teil der Szene, also die durch eigene Musik, Kleidung und Symbole geprägte Jugendkultur der extremen Rechten. Dieser Bereich dient auch der Mobilisierung für Demonstrationen sowie Veranstaltungen und als Bindeglied zwischen Gesellschaft und organisiertem Rechtsextremismus.

Mit der Musik rekrutieren die Macher nicht nur Nachwuchs für die Szene. Konzerte, CDs und der Handel mit musikalischen Devotionalien sind enorme finanzielle Faktoren, mit dem Organisatoren, Betreiber und Musiker ihr eigenes Ein- und Auskommen sichern und einen Teil des erwirtschafteten Geldes zurück in »die Bewegung« fließen lassen. Damit werden extrem rechte Strukturen finanziert, gefestigt und ausgebaut. Diese »Erlebniswelt Rechtsextremismus« hat sich seit dem Beginn der 90er Jahre immer weiter ausgebreitet und ist heute ein wichtiger Bestandteil der gesamten Szene. Auch in Thüringen existiert ein gut funktionierendes Netzwerk aus Versänden, NPD-Verbänden und Kameradschaften, die sich der Jugendlichen und jungen Erwachsenen nur allzu gerne annehmen. Insgesamt ist die extreme Rechte nur aus dieser Vernetzung verschiedener Gruppen, Organisationen und Personen zu verstehen.

Auch bei dem seit 2002 organisierten »Thüringentag der nationalen Jugend« handelt es sich um eine solche neonazistische Veranstaltung. Neben dem jährlich stattfindenden »Rock für Deutschland« und dem »Fest der Völker« ist der »Thüringentag« eine von drei größeren Musikveranstaltungen von Neonazis für Neonazis und eine wichtige Einnahmequelle für die NPD. Je nach Bekanntheitsgrad der Bands, dem Stellenwert der Organisatoren und Rednern innerhalb der extremen Rechten erfährt der »Thüringentag der nationalen Jugend« auch überregionale Beachtung.

Mit der Veranstaltung in verschiedenen Regionen und Städten Thüringens versucht die neonazistische Szene Fuß zu fassen und ihre Strukturen vor Ort zu stärken. Andererseits wird der stark subkulturell geprägte Teil der extrem rechten Szene (z. Bsp. rechte Skinheads, »Autonomen Nationalisten«, Kameradschaften) bedient, denn vor allem die Bands, Liedermacher und diverse Verkaufsstände locken und verheißen einen »netten Tag unter Kameraden«.

Internetbanner des »Thüringentag«

Internetbanner des »Thüringentag«

Für den 4. Juni 2011 hat Marco Kreutzer für die NPD-Nordhausen den »Thüringentag der nationalen Jugend« in Nordhausen angemeldet. Für einen neunstündigen Zeitraum sind vier Musikgruppen und ca. sechs Redner vorgesehen und sollen die 250 erwarteten Teilnehmer begeistern. Benannte Kreutzer anfangs noch recht ungenau die »Straße der Einheit; hinter/neben Firma Freund GmbH« als Ort für eine »politische Kundgebung«, so ist parteiintern mittlerweile von »einem Platz in der Mitte Nordhausens« die Rede.

Ein Blick auf die eigens für den »Thüringentag der nationalen Jugend« eingerichtete Internetseite fördert bereits die ersten Programmpunkte ans Licht.(1) So sollen Marco Kreutzer, Tobias Kammler (NPD-Mitglied im Kreistag des Wartburgkreises, Mitglied im Thüringer NPD-Landesvorstand) und Patrick Weber (NPD-Ratsherr im Stadtrat von Sondershausen und NPD-Kreistagsmitglied im Kyffhäuserkreis, Schatzmeister der NPD-Thüringen, Betreiber »Germania Versand«) als Redner auftreten.

Auch einer der musikalischen Beiträge ist bereits bekannt: der in neonazistischen Kreisen beliebte Liedermacher Frank Rennicke. Er war Jugendführer der neonazistischen und militanten »Wiking-Jugend« und trat nach ihrem Verbot 1994 in die NPD ein. Rennicke dürfte nicht ganz unbekannt sein, weil die NPD ihn 2009 und 2010 als Kandidat zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt hatte.
Im Nordthüringer Raum trat Rennicke zuletzt – laut Programm – im Oktober bei einer Wochenendveranstaltung (»Tage deutscher Gemeinschaft« ) des ehem. NPD-Vorsitzenden und verurteilten Volksverhetzers Günter Deckert im »Hotel Hufhaus« in der Gemeinde Ilfeld und im November bei einem vom NPD-Landesverband organisierten Konzert in der NPD-Immobilie (»Bürohaus Europa«) in Bad Langensalza auf.

Das Beispiel des Kreisverbandes Nordhausen zeigt, wie die NPD in den letzten Jahren strategisch versucht, weiteren Einfluss zu gewinnen. Besonders die kommunale Verankerung, die erst eine Basis und dann den Sprung in die Landesparlamente schaffen soll, ist elementarer Bestandteil dieser Strategie. Daneben versucht die NPD seit Jahren den Spagat zwischen vermeintlich biederem Auftreten und der Einbindung der extrem rechten Jugendszene als Rekrutierungsraum für Nachwuchs und zur Wahlkampfunterstützung der Partei. Entlang dieser Strukturen müssen die Städte und Kreise ihre Gegenstrategien ausrichten und Aufklärung betreiben, um vor allem eine Normalisierung im Umgang mit der extremen Rechten verhindern.

Die NPD ist eben keine demokratische Partei wie alle anderen, sondern vertritt neonazistische und menschenverachtende Ideologien. Und auch das subkulturelle Umfeld ist kein harmloses »Rebellentum«: es besteht vielmehr aus Gewalttätern und macht die menschenverachtenden Ideologien außerhalb der Szene vor allem für Jugendliche zugänglich.

Text als pdf-Datei: Die NPD zwischen kommunaler Verankerung und extrem rechter Jugendkultur – Teil 2v2 – der »10. Thüringentag der nationalen Jugend«

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