Nachtrag: Nordhausen und das Gedenken der Bombardierung von 1945

Lea Stein hat zu unserem Beitrag Nordhausen und das Gedenken der Bombardierung von 1945 noch einen Nachtrag verfasst, welcher die Gleichsetzung von »Opfern« durch den SPD-Bürgermeister M. Jendricke aufgreift.

Geschichtsrevisionismus ist kein Phänomen, was sich nur in extrem rechten Kreisen zeigt. Viel ist in den letzten Jahrzehnten über Erinnerungspolitik diskutiert wurden und immer wieder gab es von extrem rechter Seite als auch aus konservativen Kreisen die Forderung nach einer »Anerkennung« der deutschen Opfer, die man nicht vergessen dürfe. Damit war es immer wieder Strategie oder auch völlige Unkenntnis der historischen Tatsachen, die Opfer auf eine Stufe zu stellen. Doch diese Gleichstellung der Opfer führt zwangsläufig zu einer Verharmlosung der deutschen Verbrechen zwischen 1933-1945.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ein toter Deutscher Soldat, der während der deutschen Angriffskriege getötet wurde ist keineswegs mit den Millionen Opfern des Holocaust gleichzusetzen, die hinter der Front erschossen oder in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten vergast wurden.

Dass dieses Geschichtsbild auch auf kommunaler Ebene Einzug gefunden hat, bewies zu Letzt der SPD (!) Bürgermeister Nordhausens. Am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, hielt Matthias Jendricke eine Rede auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Nordhausen. Der Ehrenfriedhof ist der Ort, an dem 1945 mehr als 1.000 Tote des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora beerdigt wurden, die zuvor in den Lagern an Hunger, Krankheiten oder Folter starben. Nun scheinen die Opfer, welchen man an einem solchen Tag und an einem solchen Ort gedenkt, selbstverständlich die Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen zu sein. Doch für Matthias Jendricke sind es nicht nur diese Opfer, wie ein Ausschnitt aus seiner Rede (Video auf nnz-tv) zeigt: »Wir gedenken heute auch hier jener Deutschen, die als Soldaten verheizt [sic!] oder sich verheizen ließen.«

Einem solchen Geschichtsbild muss entgegengetreten werden. Eine Akzeptanz dieser Gleichsetzung verhöhnt die Opfer der Naziverbrechen und ist völlig inakzeptabel. Es ist schockierend zu sehen, wie sogar Politiker der SPD dieses Geschichtsbild in der Öffentlichkeit weitertragen.

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