03. April 2011 – das Bombengedenken in Nordhausen

Der 3. und 4. April stehen jedes Jahr in Nordhausen für das Gedenken der »Opfer«, welche bei den Bombardements 1945 durch die Royal Air Force umkamen. In den letzten Jahren nahmen auch immer wieder extrem rechte Kader an den öffentlichen Veranstaltungen teil. War es in den Jahren zuvor eine kleine überschaubare Zahl, meist Zwei bis Vier, so steigerte sich diese Zahl 2010 auf 18 gezählte neonazistische und extrem rechte Personen und 2011 auf über 30.

Wir werden in den nächsten Tagen einen Beitrag dazu veröffentlichen und möchten jetzt erst einmal auf den Bericht der Nordhäuser online-Zeitung nnz.online.de (mit Fotos) hinweisen, wie auf das Video von nnz-TV.

Weiterhin dokumentieren wir den Artikel der Thüringer-Allgemeinen, welcher einen aber schon den nötigen Respekt abfordert nicht laut zu lachen. So heißt es dort z.B. »Es gibt das Gerücht, das Nordhausen ein Treffpunkt für rechtsradikales Gedankengut ist.« und, eine Antifa-Gruppe bzw. antifaschistische Personen wird/werden aufgrund ihres mutigen Protestes gegen die Teilnahme der Personen aus der extrem rechten Szene mit deren neonazistischen Gedankengut und Handeln gleichgesetzt. – Zu solch einen Artikel und das Verhalten der kommunalen Politik sollte Stellung bezogen werden und er sollte endlich der letzte Anstoss zu einer Diskussion sein, welche zum Ziel hat, antifaschistisches Engagement zu unterstützen statt gleichzusetzen und zu kriminalisieren und, welche einen schlüssigen Umgang mit Personen und Gruppen der extremen Rechten zur Folge hat.

nnz-TV.de: Video – Nie wieder

nnz-online.de: Mahnung und Gedenken

Der 3. und 4. April einen jeden Jahres nach 1945 sind für die Stadt Nordhausen keine normalen Tage. Damals versank die stolze Stadt in Schutt, Asche und in einem Flammenmeer. 8.800 Menschen zahlten mit die Zeche, die das damalige Deutschland sechs Jahre zuvor verursacht hatte. Heute jedoch verkam das Gedenken zu einer Spielwiese zwischen Rechts und Links…

Da hält ein junger Mensch ein Plakat, auf dem ein Hakenkreuz in eine Mülltonne geworfen wird. Das Hakenkreuz steht wie kein anderes Symbol für den zwölf Jahre währenden Verfall diese stolzen Deutschlands in die tiefste Barbarei. Millionen Tote gehen auf das Konto jenes Landes, das einst Goethe oder Beethoven, Siemens oder Benz als ihre Heimat bezeichneten.

Zurück zum kleinen Plakat. Da kommt ein anderer Jugendlicher, der dieses Plakat herunterreißt, zerknüllt und zerreißt. Für mich und viele anderen Menschen, die an diesem Mittag gedenken und mahnen wollten, ein Ereignis, das mehr als zu denken gibt. Was will der junge, schwarz gekleidete junge Mann damit sagen? Das Hakenkreuz gehört nicht in die Tonne, soll vielleicht wieder auf vielen Fahnen wehen? Millionen Tote reichen nicht?

Das ist nicht hinnehmbar, nicht tolerierbar. Und dennoch mussten es viele Nordhäuser heute ertragen. Unter ihnen viele ältere Menschen, die als Kinder das Nordhäuser Flammenmeer noch erlebten.

Und so konnte sich Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) heute noch so mühen, mit Versen und eigenen, sehr emotional vorgetragenen Worten, an die Opfer zu erinnern ohne zu vergessen, wo die eigentlichen Ursachen für den Nordhäuser Fast-Untergang zu suchen sind.

Das einstige Mahnen und Gedenken, das Erinnern und Nicht-Vergessen wurde zum Spielball von Rechts und Links – mehr als Spielchen waren es nicht. Sie sind jedoch gefährlich für die Zukunft und die Beobachter des Geschehens waren froh, dass die Situation nicht noch eskalierte.

Thüringer-Allgemeine Nordhausen: Rechtsradikale und Antifa-Gruppe störten Kranzniederlegung

Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind rezitierte OB Barbara Rinke. An der Stele am Rathaus wurden Blumen und Kränze niedergelegt. Trotz eines Zeitabstands von 66 Jahren ist es Tradition, an die 8800 Menschen und die Zerstörung der Stadt zu erinnern.

Nordhausen. Nie wieder dürfe es zugelassen werden, dass rechtsradikales und menschenverachtendes Gedankengut in ihre Heimatstadt getragen wird, wandte sich Barbara Rinke an fast hundert Bürger. Ihre Worte hatten ein Ziel. Nahe der Stele scharen sich im Aussehen und ihrer Stille provozierend etwa 20 Radikale. Vor zwei Tagen war der Ehrenhain am Stresemannring mit antisemitischen Parolen beschmiert. Ob es einen Zusammenhang gibt wer weiß? Es gibt das Gerücht, das Nordhausen ein Treffpunkt für rechtsradikales Gedankengut ist.

Am Sonntag entrollte die Antifa- Gruppe mit Pfarrer Peter Kube an der Spitze ihr Transparent, dass Nazis in der Stadt keine Chance erhalten. Die 20 Radikalen stellten sich vor das Plakat und entrollten ihre Schrift. Es war ein brenzliger Moment, zum Glück standen mehrere Polizeibeamte in der Nähe, damit die Situation die ein Gedenken für die 8800 Menschen und das zu 70 Prozent zerstörte Nordhausen sein sollte nicht eskalierte. Mit Abscheu verfolgt Ilse Hagen (fast 80) die Geschehnisse. Sie hat so viele Menschen gekannt, die durch die Nazi-Zeit ihr Leben verloren haben oder wie Kurt Herrmann vertrieben wurden. „Was ist mit diesen jungen Leuten los?“, fragt sie entsetzt.

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