Richtiges oder falsches Gedenken?

Pressemitteilung BgR Nordhausen:

Viel wurde zur Gedenkveranstaltung der Bombardierung Nordhausens am 3. April 2011 geschrieben und diskutiert. Einschätzungen wurden getroffen, dass eine Gedenkveranstaltung nicht der Platz für Transparente ist, nicht der Platz an dem sich »Katz und Maus« jagen sollten. Transparente seien derer nicht würdig, die in einem Krieg ihr Leben, ihre Verwandten und Kinder ließen. So der Tenor einiger. Es gab auch den Verweis auf eine alte Frau, welche am Rand der Veranstaltung auf die Neonazis einredete und vermeintlich nicht verstand was dort eigentlich passiert.

Auch Mitglieder des Bündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) Nordhausen haben sich darüber Gedanken gemacht, ob es richtig ist zu einer Gedenkveranstaltung, trotz der Anwesenheit von Anhängern der rechtsextremen Szene, Stillschweigen zu bewahren und zu ertragen, was man nicht ertragen kann. Es war nicht die »Antifa«, welche mit einem Transparent gegen Nazis Flagge zeigte. Am 3. April diesen Jahres waren es Jugendliche der evangelischen Kirche, Studentinnen und Studenten und ein Pfarrer.
Es war auch nicht die »Antifa« die sich vor ein Transparent der Nazis stellte um das zu verdecken, was den Nordhäuserinnen und Nordhäusern einmal mehr die Schamröte ins Gesicht treiben sollte. Es waren Jugendliche, eine Landtagsabgeordnete, Stadträte und Kreistagsmitglieder.

Und, das ist wohl das Wichtigste, die ältere Dame die neben den Neonazis stand und auf sie einredete, hatte sehr wohl verstanden. Sie ist 82 Jahre alt, Nordhäuserin und eine Überlebende des 2. Weltkrieges. Ein Krieg der von einem menschenverachtenden Regime losgetreten wurde und der ganzen Welt den Tod brachte. Wir haben mit der älteren Dame gesprochen und sie gefragt, was sie über die Veranstaltung denkt und was sie über den offenen Protest von Pfarrer Kube und den Menschen denkt, die das Transparent der Nazis verdecken wollten.

Sie sagte: »Ich bin empört, dass sich nicht mehr Menschen vor das Transparent der Nazis gestellt haben. Als ich gesehen habe wie die Menschen vor dem Transparent geschuppt wurden, bin ich hingegangen und habe zu den Leuten in den schwarzen Anzügen gesagt, dass sie doch noch so junge Menschen sind, die nie den Krieg erlebt haben. Sie wissen gar nicht was Krieg bedeutet. Ich habe 1945 vor dem Kino die Trümmer klein geschlagen und ich habe die Menschen sterben sehen. Ich bin entsetzt darüber, dass im Nachhinein links und rechts gleichgesetzt wurde. Es haben zu viele Menschen gelitten, um heute so etwas stillschweigend hinzunehmen. Ich war fassungslos als ich nach Hause ging.«

Für das BgR ist diese Aussage sehr bewegend. Eine 82jährige Frau, die sich nicht scheute martialisch wirkenden Neonazis in die Augen zu sehen und ihnen ihre Meinung zu sagen. Zu mahnen, dass sich die Vergangenheit nie wiederholen darf. Die Frage nach dem richtigen oder falschen Gedenken ist damit nicht abschließend geklärt und ist eine Frage der eigenen Wahrnehmung. Die ältere Dame hat sie für sich beantwortet.

SprecherInnenKreis BgR Nordhausen
im Namen des BgR Nordhausen, den 06.April 2011

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