NDH: Demo von »Freien Kräften« und »AN« am 30. Juli 2011

Ein zusammenfassender Bericht von Madlen Warskow für das ART.NordThüringen

Für die neonazistische Szene Nordhausens war der 4. Juni 2011 eine Niederlage, wurde ihr doch die Durchführung des »10. Thüringentag der nationalen Jugend« gerichtlich verboten. Die NPD-Nordhausen hat es binnen eines knappen Jahres nicht rechtzeitig geschafft einen adäquaten Platz anzumelden. So mussten gut 800 bundesweit angereiste Neonazis, aus den unterschiedlichsten subkulturellen Spektren, auf eine Wiese im Gewerbegebiet von Sondershausen ausweichen, wo bereits 2008 ein »Thüringentag« stattfand.

Diese Schmach konnte und wollte die neonazistische Szene nicht auf sich sitzen lassen und so meldete A. Lindemann kurzfristig eine Demonstration für den 30. Juli 2011 durch Nordhausen an. Unter dem Motto »Keine Panzer für Nahost« wurde ein antimilitaristisches Thema gewählt. Bei Betrachtung des kurz gehaltenen Aufrufes ging es inhaltlich um einen völkisch aufgeladenen und verkürzten Antikapitalismus und den damit in diesen Kreisen verbundenen Antiamerikanismus und den Hass auf den Staat Israel. Dies zeigt ganz klar einen Teil der strategischen Ausrichtung, die aktuell in der NPD diskutiert wird; das Aufgreifen von aktuellen Themen.

Die neonazistische Szene in Nordhausen wächst in den letzten Jahren kontinuierlich an und zeigt sich immer selbstbewusster. Die Demonstration war der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung. Einmal mehr wurde hier die Verknüpfung von NPD, »Autonomen Nationalisten Nordthüringen« und der gewalttätigen Hooligangruppe »NDH-City« deutlich. Auch wenn sich letzt genanntere Gruppe nach internen Aussagen aufgelöst haben soll [wohl eher um dem Verfolgungs- und Ermittlungsdruck von der Gruppe und ihren Personen zu nehmen] treten immer wieder einzelne Personen mit Pullover oder T-Shirts und dem Aufdruck der Gruppe in Erscheinung – eine dieser Personen war und ist der Anmelder der Demonstration A. Lindemann.

An ihm lassen sich, exemplarisch für etliche andere, die Querverbindungen in der neonazistischen Szene Nordhausens aufzeigen. Lindemann fiel BeobachterInnen der Szene bereits 2004 bei einer »Freien Kräfte«-Demo in Arnstadt auf und bei neonazistischen und revisionistischen Demonstrationen wie in Magdeburg, Dresden oder Leipzig. Zu der Zeit pflegte er bereits den Kleidungsstil und das Auftreten der »Autonomen Nationalisten«, welches von der radikalen Linken übernommen wurde. In einer kleinen Gruppe, welche eher einer Freundesclique glich, fuhren sie zu Demonstrationen oder waren für Angriffe auf alternative und linke Jugendliche in Nordhausen verantwortlich.
Lindemann ist einer der Köpfe hinter der seit 2009 in Erscheinung tretenden Hooligangruppe »NDH-City«, welche meist durch ihr martialisches Auftreten und aggressives Verhalten rund um die Spiele von Wacker 90 Nordhausen von sich reden machte. 2010 schafften es AntifaschistInnen in Zusammenarbeit mit Journalisten und Landtagsabgeordneten den Blick auf diese Gruppe zu lenken, vor allem auf deren Gewaltexzesse und die personellen Verbindungen in die neonazistische Szene. Das Innenministerium bestätigte in seinen Antworten auf kleine Anfragen das enorme Gewaltpotential und so z.B auch die Verbindungen zur NPD. So trat Lindemann z. Bsp. in den zurückliegenden Jahren als Vertreter der örtlichen »Freien Kräfte« auf, wenn es darum ging am Volkstrauertag den gefallenen Soldaten zu gedenken oder das Gedenken um die Bombardierung Nordhausens vom 3./4. April 1945 für sich als Plattform zu nutzen und bei der städtischen Veranstaltung zusammen mit der NPD einen Kranz niederzulegen.

Am 30. Juli marschierten überwiegend auch nur sog. »Freie Kräfte« aus Nordhausen, Erfurt und Süd-Thüringen durch Nordhausen. Zeitweilig fanden sich hinter dem Frontransparent ausschließlich Mitglieder von »NDH-City«, der Anmelder A. Lindemann mit einem Pullover und dem dazugehörigen »NDH-City«-Aufdruck, ein angeblich unpolitischer R. Pickus und A. Wienrich. Mit dabei auch Vertreter der NPD, so z.B wurde R. Elbert (Stadtrats- und Kreistagsmitglied) dabei beobachtet wie er mit seiner Videokamera die Demo filmte oder wie R.G. Lindau sich angeregt mit jüngeren Kameraden unterhielt.

Letztendlich hatten sich immerhin um die 60 Personen in der kurzen Zeit mobilisieren lassen, um in der für sie verklärten »… einst so hochgejubelte [n] »antifaschistischen Hochburg« …« aufzumarschieren. Dabei ging es Ihnen nicht um eine mögliche breite Akzeptanz des Themas. Vielmehr ging es um eine Machtdemonstration, wem ihrer Ansicht nach die Straßen in Nordhausen gehören. Das sie sich an diesem Tag als »Sieger« fühlen konnten, lag zum einen an der kurzfristigen Anmeldung und demzufolge den nicht mehr ausreichend organisierbaren Gegenprotest und zum anderen auch an der gewollten Ignoranz der kommunalen Polititk, welche in einer Erklärung durch die Fraktions- vorsitzenden des Stadtrates zu eben jener Ignoranz aufriefen.
Bei einer derartigen Ignoranz wird häufig die Bedeutung von Demonstrationen für die Szene selbst vergessen, die durch erfolgreiche Aktionen ihren Zusammenhalt stärkt. Nach außen hin kann sich die Szene so als attraktiver Anlaufpunkt für Jugendliche präsentieren, die nach ansprechenden Freizeitangeboten suchen.

Es geht somit weniger um politische Inhalte, als mehr darum, den jungen Erwachsenen und Jugendlichen einen Event zu verschaffen. Durch »Erfolge« wie diese Demonstration durch Nordhausen, laut grölend auf Hauptverkehrsstraßen, bringen sie Ihren »Kampf um die Straße« zum Ausdruck und suchen das Kräftemessen mit den örtlichen kommunalpolitischen VertreterInnen, der Staatsmacht und den örtlichen AntifaschistInnen.

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